Sonntag, 12. Juni 2016

die Woche mit Heinrich

+++Astrachan+++Grenze zu Kasachstan+++Atyrau+++Qandyaghasch+++

Sonntag regnete es in Strömen. Und das an meinem Geburtstag!
"Na wenigstens haben wir Kaffee!" dachte ich und lungerte bis nachmittags im Hostel rum.
Ich hatte mich lose mit den Jungs und Mädchen vom Vorabend verabredet und so traf ich mich mit Vasiliana, die mir die schönsten Ecken ihrer Heimatstadt, Astrachan, zeigte. Später stießen die anderen zu uns. Heinrich, Dascha, ihr Verlobter Sergey sowie die Brüder Oleg und Sergey.
Dascha wollte mit uns musizieren und ich einen auf meinen Geburtstag ausgeben. Also belagerten wir das Haus der Brüder, bei denen ich auch die Nacht verbringen durfte, und ich überzeugte alle, dass man nach nur 8 Jahren Gitarrenunterricht immer noch ziemlich gut den Anfang von 'Jingle Bells' spielen konnte.

Ich musste mich auf meinen Stuhl setzten, das Licht wurde ausgeschaltet .....




Super krass. Einen Tag zuvor war ich damit zufrieden wenigstens heute nicht den ganzen Tag auf der Straße zu verbringen und dann findest du wildfremde und super freundliche Menschen, bei denen du schlafen kannst und die sich freuen mit dir Zeit zu verbringen. Und obendrein zaubern sie dir auch noch ein Geschenk.
Bierkuchen nannten sie ihre Torte aus Weißbrot, Majo, Würstchen und anderen Zutaten. Wir saßen bis spät in der Nacht in der kleinen gemütlichen Küche.




Montag ging es für mich und Heinrich weiter in Richtung Kasachstan. Die letzte Nacht in Russland verbrachten wir in Sichtweite zum Grenzübergang. Im Dunkeln sah man die Lichter am Horizont.
"Wo kommt ihr her?" Haute uns mal wieder jemand an, als wir gerade zum x-ten mal unsere Pässe rauskramten.
 "...aus Deutschland..."
Er knallte seine Hacken zusammen, erhob die Hand zum deutschen Gruß und rief:
"Ah!!!... Faschista!!! Adolf Gittler!!!"
Wir haben das mal unkommentiert gelassen, während der Grenzbeamte über beide Wangen schmunzelte.


Die Region nahe am kaspische Meer war voller Nutztiere. Überall gab es kleinere und größere Kuh- und Pferdeherden und so dauerte es auch nicht lange, bis wir das erste Kamel sahen.
Diese dümmlich dreinblickenden Tiere mit den schiefen Zähnen und dem zottelligen Winterfell welches sich nur fetzenweise von Ihren Körper schält. Ich fühlte mich ein wenig verarscht, als ich sie zum ersten Mal rennen sah. Diese Bewegung erinnern an ungelenke Jugendliche nach nem Wachstumsschub, die nicht so richtig wissen, wohin mit ihren Extremitäten.


Die Steppe macht sich breit. Alles ist gleichmäßig flach, Sträucher verschwinden aus der Landschaft und Bäume sucht man sowieso vergebens.
Nen paarmal wars so knapp, dass ich mir fast in die Hosen geschnullt hätte, weils keine passable Stelle gab.


Es war schön nen Companion auf der Strecke zu haben. Wir quatschen fast den ganzen Tag und so schmolzen die Kilometer nur so dahin. Gerade solch anstrengenden Aktionen, wie der Grenzübergang oder die Registrierung in der Migrationsbehörde, kann man zu zweit auch viel besser meistern. Ganz zu schweigen davon, das es auch ganz nett ist sich gegen Abend mit jemandem unterhalten zu können und die Eindrücke zu teilen


Ich ließ es nicht zu, dass wir uns so nah am Meer befanden, ohne den Versuch zu starten Baden zu gehen. Also suchten wir uns nen passenden Feldweg und fuhren soweit wir konnten. Den letzten Kilometer mussten wir zu Fuß gehen. Es wurden drei Kilometer, da das Wasser gerade ziemlich niedrig steht und das Ufer sehr flach ist. Am Strand trafen wir auf  Kamele und Pferde. Nur Baden war schwierig. Wahrscheinlich müssten wir dann noch ne Stunde länger im Wasser waten bis dieses uns bis zu den Knien geht. Zurück an den Rädern müssten wir feststellen, dass wir Besuch hatten. Die Taschen waren geöffnet und Heinrich fehlte Geld.
Oh man diese Schweine!
Da hilft nur eins: nen Wodka auf den Schreck!


Freitag Mittag erreichten wir Atyrau. Irgendwie hatte ich da ne arme, kleine Stadt erwartet. Mit Basar, Kamelen und Sand. Allerdings ist die Region geprägt vom Öl- und Gasabbau und dem damit verbundenen Wohlstand.
Wirkt irgendwie wie ein kleines Abu Dhabi- nur schöner. Ganz nebenbei fließt hier auch der Ural durch die Stadt und bildet somit die Grenze zwischen Europa und Asien.
Yuhhu- wir sind in Asien!!!!

Nurlan, Raushan und Daniyl - Leute aus der Couchsurfing- Community trafen sich mit uns. Wir fuhren durch die Stadt und gingen in eine Moschee. Zur Zeit ist ja Ramadan, da ist tagsüber nicht soviel los.
Sie sind vielseitig engagiert und in mehrere Projekte eingebunden. So haben sie eine Petition zur Neubepflanzung einer Brachlandschaft am Uralufer durch bekommen und versuchen jetzt ihren eigenen Central Park in Atyrau zu erstellen. Jeder ist eingeladen hier Bäume zu pflanzen und zu pflegen. Außerdem organisieren sie auch Critical Mass Veranstaltungen.
Anpacken statt rummeckern ist deren Devise.
Da halt ich was von!

Abends wartete der Zug auf uns. Ich wollte nen bisschen Strecke machen, um den Umweg über Wolgograd wieder auszugleichen.
Erlaubt ist es nicht, Fahrräder mit ins Abteil zu nehmen. Mit ein wenig Schmiermittel ist allerdings alles möglich.

Leider trennen sich hier auch Heinrichs und meine Wege. Er muss weiter nach Astana, während ich schon in Quanyaghasch aussteige und Richtung Aralsk starte. Es war ne verdammt coole Woche zu zweit und irgendwie fühlt es sich falsch an sich zu trennen.

Hey Heinrich- danke für die tolle Zeit! Ich wünsche dir noch nen aufregenden Trip und wir sehen uns in Deutschland.

Gefreut habe ich mich auch über die Nachrichten aus Deutschland die mich erreichten: Willkommen Hugo! Im Juni Geborene sind die Besten!





Kommentare:

  1. Scheene Chrissie das es dir gut geht. Vermissen Dich! Viele Grüße von den drei Büchsen aus Querfurt.

    AntwortenLöschen
  2. .... mal abgsehen von denen die im Februar geboren sind,
    das Rezept vom Bierkuchen möchte ich bitte haben.
    Pass auf dich auf!!!

    AntwortenLöschen
  3. Hi Christian,
    wie hat denn der "Geburtstagskuchen" geschmeckt??? Würde mich jetzt mal interessieren. Hast wohl deine Weltanschauung geändert?

    Grüße aus Wittenberg von Luthers Hochzeit

    AntwortenLöschen
  4. Hey Querfurter...
    Schön von euch zu hören. Kann Hundi jetzt schon Fahrradfahren?


    Jerome, stimmt! Größen wie Buffalo Bill und Kim Jong Il sind ja auch im Februar geboren. Ich glaub beim Bierkuchen gibt es kein richtiges Rezept. Da kann man ruhig kreativ sein. Hauptsache ist, es bringt ne gute Grundlage fürs Bier...

    Grüße auch zurück nach Wittenberg. Man hat mir gesagt, die Wurst wurde aus glücklichen Schweinen, die totgestreichelt wurden, hergestellt. Da kann man sichs auch schmecken lassen ohne seine "Weltanschauung" zu ändern. ;)
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  5. Hey Christian,
    schön wieder einmal von dir zu hören und dein "schweren" Weg verfolgen zu können. Coole Sachen die du erlebst und schöne Bilder.

    Ach und dann noch...Allt jute aus Bärlin zum Jeburtztag, ne.
    Pass auf dich und dein eSachen auf ;)

    Bis bald.
    Micha R. from the holy lake :D

    AntwortenLöschen
  6. Holy Lake ;) ... Da lob ich mir dich lieber den peoples park deer mountain.. Hab ich erzählt das es hier überall Polenbutter gibt? Solch ich euch nen Paket fertig machen?
    Grüße
    CP

    AntwortenLöschen
  7. Wie siehts denn eigentlich mit seinem Mampe-Auftrag aus? Kannst in kasachstan schön ausschenken oder weiterhin nur nen Pullover ins Gesicht halten?

    Ansonsten hört sich alles super spannend an...besonders das schönere Abu...das kann doch gar nicht der Wahrheit entsprechen!

    Viele grüße, Sven

    AntwortenLöschen
  8. Hallo Sven!!!
    Das wusste ich dich, das ich dich mit Abu bekomme ;)
    Bin noch mit MAMPE in Kontakt. Is allerdings nicht so einfach ne Adresse und ne Zeit zu finden zu der sie es schicken können.
    Viel Spaß in Indonesien...
    Wusstest du dass da jährlich mehrere hundert Taucherunfälle passieren? Zerrissener Lungenflügel und ertrunkene blonde Mädchen, weil deren Freunde ihnen im Panikanfall irgendwelche lebenswichtigen Schläuche abgerissen haben.
    Passt auf euch auf
    Christian

    AntwortenLöschen