Sonntag, 24. Juli 2016

a cycler with an altitude

+++Cholpon Atta+++Balukchy+++Bishkek+++Sari Bulak+++Son Kul Lake+++Ak-Tal+++

Das Beste zuerst:
Ich hab endlich mein Chinavisum! - Chinavisum de luxe!
Statt den von mir angegebenen Einreisetermin, den ich im Nachhinein viel zu sportlich gewählt und mich ziemlich darüber geärgert hatte, besorgte mir die Agentur ein 30 Tage-Visum, welche ich innerhalb von drei Monaten nehmen kann. Damit bleibe ich recht flexibel und habe nun genügend Zeit um gelassen durch Kirgistan zu radeln. Das fetzt. Danke Babs!


Angefangen hat meine Woche am Issyk Kul Lake.
Von Balukchy fährt der Zug nach Bishkek. Die letzten Stunden vor Abfahrt "chillexte" ich am Strand. Hier traf ich Barbara und Jonathan- nen Pärchen aus Brüssel. Auch sie warteten auf den Zug.
Bei Bier und Wodka vergingen die fünf Stunden im Rumpelzug ziemlich flott.


Es fühlte sich ein wenig an, als würde man wieder nach Hause kommen, als wir wieder im "athouse" aufschlugen. Diesmal traf ich auch die Besitzer - Angie und Nathan. Nathan ist vor sechs Jahren auf dem Karakorum Highway von China nach Pakistan gefahren. Eine der höchsten Straßen der Welt mit dem höchsten Grenzübergang der Welt.
Das liegt auch auf meiner Route. Er gab mir nen paar Tipps, in welchen Regionen man sich besser nicht aufhält und wie man steinewerfenden Kindern entkommt. Na danke!
..
Der Hauptgrund für meine Rückkehr nach Bishkek war natürlich mein Visum, welches ich zur deutschen Botschaft schicken ließ, aus Mangel einer eigenen Anschrift in Kirgistan. Deren Job bestand also nur darin ein Paket anzunehmen und es mir zu übergeben. Tausende freundliche Nachbarn machen das täglich ziemlich unkompliziert.
Aber nicht so die Repräsentanten eines der bürokratischsten Ländern der Welt. Die haben schließlich einen Ruf zu verlieren.
Mein erster Anlauf scheiterte mit den Worten:
"Für solche Angelegenheiten kommen sie bitte während der Sprechzeiten von 14:30 bis 15:30 Uhr wieder!"
14:15 Uhr - ich bin ja nunmal auch Deutscher und deshalb immer überpünktlich - stelle ich mich hinten an der Schlange vor der Botschaft an (andere Deutsche schienen noch pünktlicher zu sein) unterzog mich einer Sicherheitskontrolle - musste mein Handy ausmachen und abgeben und wurde dann endlich zu einem Schalter aufgerufen. Der Schalter war in einer verglasten Hannibal-Lekter-Gedächnis-Zelle in der es nur möglich war mit dem Gegenüber über ein Telefon zu kommunizieren.
"Ich möchte meinen Pass abholen. Der ist gestern mit DHL hier angekommen."
"Davon weiß ich nix- aber ich schau mal schnell."
Ich verbrachte die nächste halbe Stunde damit, mit meinen fettigen Fingern Botschaften auf die Edelstahlamaturen zu schreiben.
"Der zuständige Kollege ist gerade in einem wichtigen Gespräch."
wurde ich vertröstet.
Langsam kamen Heimatgefühle auf. Ich entdecke den Kugelschreiber mit den man viel leichter kleine Schmierereien auf den Bänken hinterlassen konnte. Ich erinnerte mich an meine Schulzeit zurück. 6. Stunde Physik- Frau Baumbach!
Ein gutgekleiderter Herr mit schnieker Brille tauchte vor der kugelsicheren Scheibe auf. "Hmm mal sehen..." sagte er in einer wichtigen Stimme.
Er kontrollierte meine Personalien, machte Kopien meines Passes und meines Personalausweises, den ich zur Identifikation vorlegen musste und laß mir die wichtigsten Textpassagen aus dem vorangegangenen Emailverkehr vor. Alle Dokumente, die zur korrekten Übergabe eines Reisepasses notwendig sind heftete er sauber ab.
Falls in der Zukunft mal Jemand kommen sollte und fragt:
"Wie warn das damals mit Pamers Reisepass?" ,
dann wird er mit einem verschmitzten Lächeln ins Archiv gehen und im Regal "Pa-Pe" mit sicherem Griff meine Akte finden können.
Nach ner knappen Stunde hielt ich also mein Visa in der Hand.
...
Auf zur Post.
Hier wartete angeblich ein Paket aus Berlin auf mich. Ein Paket mit eines der nippbarste Getränke der Hauptstadt. Nach dem Reinfall in Moskau war ich ziemlich skeptisch.
Doch tatsächlich überreichte man mir in gefühlter Zeitlupe ein Paket vom "Am Tempelhofer Berg 6".
Danke MAMPE - danke Sarah.
Das traf sich auch besonders gut, den abends hatte ich eine Einladung bei Phillip und Estrella. Ich traf das irisch/spanische Pärchen vor zwei Wochen auf der Schnellstraße in Kasachstan.
Tja was soll ich sagen?- es wurde nen lustiger und langer Abend bei ausführlichen Reisegeschichten und ner ordentlichen Portion Berlin.


Mitten in der Nacht schmiss mich der Bus der Reiseagentur "Keimig" an einer kleinen Raststätte raus. Das Gasthaus hatte zu und ich musste mir im Dunkeln einen vernünftigen Zeltplatz suchen. Der Vollmond half mir dabei.


Ein Pass trennte mich noch vom Son Kul Lake. Die letzten 10 km bestanden aus einem Anstieg auf unbefestigten Straße von 2500 auf 3450 Höhenmeter.
Ich war noch nie in solch einer Höhe gewesen. Mein Körper auch nicht.
Das machte mir ganz schön zu schaffen.




Ich konnte mein Rad nur schieben, musste ständig pausieren und bekam nicht genug Luft.
'So ein Flachländer macht schon ab 3000 Metern schlapp' - ärgerte ich mich.
Auch mein Schlaf in dieser Höhe war sehr unruhig. Hinzu kam das Verlangen auf Tomatensaft.
Tief in meinen Taschen kramte ich nach meiner Winterhose, Mütze, Handschuhe und Wärmflasche. Diese hatte ich seit Moskau nicht mehr benötigt. Allerdings lag hier oben Schnee und es stürmte.


Am See mietete ich mir eine Jurte. Auch drei Franzosen verschlug es hierher. Sie kamen mit ihren KTMs und nem alten Mercedesbus aus Europa. Gegen Abend saßen alle Gäste in einer Jurte und wurden fürstlich verpflegt.
Azamat - der Hausherr - feuerte abwechselnd den Ofen mit Kuhdung und reichte uns Tee. (mit der gleichen Hand).

Am nächsten Morgen probierte er mein Rad aus und bot mir an:
"Wenn du mir dein Rad gibst, kriegste mein Pferd!"
Verlockend!
Ich überlegte wo ich dort meine Packtaschen einklicken kann und welche Beförderungsbedingungen wohl bei den gängigsten Airlines für Pferde gelten würden.


Gestern Abend erreichte ich den Moldu Ashu Pass.
Hier, am Ausweg aus dem Gebirge, saßen einige Kirgisen singend zusammen und gaben sich bei Wodka und fermentierter Pferdemilch die Kante. Ich wurde eingeladen.
Das machte die Abfahrt allerdings auch nicht leichter. Zwei Stunden verbrachte ich auf den Serpentinen.


Heute habe ich Muskelkater in den Unterarmen vom ständigen Bremsen. Die nächsten Tage verbringe ich auf dem Weg nach Osh- der letzten großen Stadt vor China.
...
Soweit von mir - was gibt's neues in der Heimat?

Kommentare:

  1. Hey chrischi, wir waren diese Woche im Schrapelbad und du faehrst nach China..

    Pass auf dich auf, Anna

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  2. Pami,mit dem Pferd hätten wir nach Leh reiten können. Liebe Grüße Diana

    Du hast nicht das Pferd genommen? Pass gut auf! Nicki

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  3. Uh wow.. Schrappelbad hätte ich auch Bock. Rutschen... Baden...Pommes...

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  4. Hallo Christian,

    Es macht Spaß, deinen Blog zu lesen - du hast eine gute Schreibe. Da ich ja vergangenes Jahr das Rad mit einem Gesamtgewicht von rund 50 kg auf 4.800 m hinaufgeschoben habe, kann ich gut nachempfinden, wie es dir gegangen ist. Aber wenn man mal oben ist, dann geht es ja nur noch.....
    Interessant für mich auch deine Ausführungen zum China-Visum. Na ja - die Deutsche Botschaft es halt kein Tante-Emma-Laden.
    Auch ich bereite derzeit meine neue Aktion "Cycling against Cancer" zugunsten unserer B.L.u.T. EV. vor und quäle mich deshalb am 8. September mit dem Rad hoch aufs Stilfser Joch (. 2.757 m ). Infos auf meinem Blog www.cycling-eurasia.blogspot.de und auf www.betterplace.org unter "Cycling against Cancer". Ich hoffe, dass sich viele Spender finden, die als Pate die 1.850 Höhenmeter übernehmen.

    Dir weiterhin viele interessante Erlebnisse - ich bleibe am Ball. Gruß. Manfred , Bruchsal

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  5. Hey Manfred- oh man, du gönnst dir auch keine Pause, oder? 4800 ist echt ne Nummer. Ich glaube da bekomme ich gar keine Luft mehr. Ich werds mal auf dem Karakorum Highway ausprobieren. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deonen Projekten.

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