Sonntag, 8. Mai 2016

die 5. Woche - auf der Schnellstraße

+++Welikije Luki+++ Gagarin+++Moskau+++

Welikije Luki war perfekt um mich auf Russland einzustimmen. Hier konnte ich nochmal schöne Essen gehen, Geld tauschen, Vorräte auffrischen, mir ne russische SIM-Karte besorgen und das Allergeilste - meine Sachen waschen lassen. Zum ersten Mal seit Berlin. Ich bin davon überzeugt, dass die die Waschmaschine nach mir nen paar mal leer durchlaufen lassen mussten, damit sie sich nicht die nächste Wäsche versauen. War ziemlich ekelig.
Auch die Anmeldung in der russischen Migrationsbehörde hat das Motel übernommen. Wenn man das nicht innerhalb von 7 Tagen erledigt, lassen die einem nicht mehr aus dem Land, man kommt über Jahre in russische Einzelhaft oder muss 50 Euro Strafe zahlen.
Da bin ich jetzt also fein aus dem Schneider.

Bis Moskau wollte ich in keinem Hotel mehr schlafen und das waren immerhin noch knapp 600 km.
600 km Schnellstraße!
Aber ich hatte ja meine Kutte, die mich wie eine leuchtende Diskokugel sicher entlang der Straßen führte. Auch ein kleiner Sonnenbrand machte meinen Schädel zu nem großen 'Achtungszeichen'.
Die nächsten Tage bestanden also aus fahren, fahren, fahren... Zelt auf- und abbauen und merkwürdige Gerichte zum Abend kochen, deren Grundlage immer irgendwas mit Instantnudeln zu tun hatte.

Die Tage glichen sich sehr. Oft erwischte ich mich dabei, wie ich ewig überlegen musste, was ich den Tagn zuvor gegessen hatte, oder wie der Zeltplatz aussah.
Geschweige denn, wie die Orte auf den Schildern hießen, an denen ich vorbei fuhr.
Händler am Straßenrand verkauften allerhand Pelz und getrockneten Fisch. Ich besorgte mir bei denen ein Glas Honig zum Frühstück. In Anbetracht der vielen Bärenfelle zog ich es allerdings vor, dass das Glas über Nacht weit weg von meinem Zelt an einen Baum schlafen musste.

So gerade und eintönig die Straße war, wurde es jedoch nie langweilig. Die Landschaft wechselte von tiefem Wald zu offenen Feldern. Oft brannte es. Ich denke die Bauern lassen die Felder kontrolliert niederbrennen, um große Waldbrände zu vermeiden.
...
Plötzlich gab es einen Riesenknall- dem Brummi vor mir flogen seine Reifen um die Ohren. Scheint hier öfters zu passieren, wenn man sich ansieht, wieviele Reifenfetzen im Straßengraben lagen. Routiniert machte sich der Fahrer ans Werk den Ersatzreifen aufzuziehen. An den Tankstellen war ich immer eine kleine Attraktion und musste erzählen wo ich herkomme und hin will.
Ich wurde mit Schokoriegel gefüttert.
Ein Mann stoppte mich mit seinem Van mitten auf der Straße. Es hatte zu Regnen begonnen und er fragte ob er mich die letzten 150 km bis Moskau mitnehmen soll.
AUFKEINENFALL!!!
Nur noch 150 km!!!
Er zeigte Verständnis und fuhr nicht, ohne mir vorher eine Brause aus dem Fenster zu reichen. Man muss da vorsichtig sein. Am Anfang habe ich mich immer über die entsorgten Plastikfkaschen neben der Straße gewundert, die bis zum Rand voll mit Apfelsaft waren. Irgendwann hab ichs dann kapiert.
Vielleicht hat es bei solch einem Stunt auch den Truck entschärft, der ein wenig vom Weg abgekommen schien.
Ups!

Ich machte gerade Pause in einer Bushaltestelle als ich von Weitem einen schwer beladenen Radreisenden sah. Voller Gepäck und eifrig am strampeln.
Der erste Leidensgenosse auf diesem Trip. Ich sprang auf und winkte im zu.
Er winkte zurück und hatte brauste vorbei.
Ohne kurz zu schnacken. Ohne zu fragen ob alles ok ist, ohne zu erzählen, wo er herkommt.
Ich war enttäuscht.
So ne dumme Sau!
...
Das Highlight der Strecke war die Stadt Gagarin. Benannt nach dem Sohn der Stadt. Ich hatte vorher in dem Buch "Berlin-Moskau" von Wolfgang Büscher darüber gelesen. Es war eine Pflicht das Museum zum Kosmnauten anzuschauen. Eine ältere Dame gab sich viel Mühe beim Erklären der Ausstellungsstücke.
In bestem Russisch.
Ziemlich hartnäckig. Bis sie glaubte ich habe es kapiert. An den wichtigsten Stellen musste ich Fotos machen. Beim Verlassen flüsterte sie Ihrer Kollegin zu: "on nietschewo nje panimaet" -"Er hat nix verstanden!".

Moskau ist in wilder Vorbereitung auf den "Tag der Befreiung" der hier mit einer Militärparade am 9. Mai gefeiert wird. Überall Plakate, Helikopter und Polizei.

Samstag hatte ich meine erste Nacht als Couchsurfer. Bei Marina und Christoph. Nen Pärchen- beide sprechen super deutsch.
Wir haben zusammen gekocht und nen paar Bier getrunken. Es tat gut endlich wieder etwas Gesellschaft zu haben.
Ich meine, ich komme allein ziemlich gut mit mir zurecht, fühle mich nicht einsam oder so, aber mit netten Leuten nen ganzen Abend zu verbringen, die einem viel über Ihr Land und ihr Leben erzählen können, ist schon richtig klasse.
Zukünftig werde ich dieses Konzept zu übernachten vorziehen.
Soweit erst mal von mir.
 ...
Noch ne Bitte:
Falls jemand mir nen paar Spielfilme schicken kann- max 700 MB- wäre ich sehr dankbar. Ich schaue im Zelt gern noch nen bisschen und fühle mich im Moment im Stande alle Ottofilme aus dem Gedächtnis nach zusprechen.
Bis bald
Christian

Kommentare:

  1. Herr P. aus S. bzw. B., ich muss schon sagen...die Dramaturgie der Einträge ist echt große Klasse : ) A propos Dramaturgie...die ersten Filme sind auf dem Weg zu dir...auf dass du dich nicht langweilen mögest...übrigens...der Mond steht dir gut..und der Sonnenbrand sieht ganz schön übel aus...Erhol dich schnell und sei schön vorsichtig

    LG aus SW

    AntwortenLöschen
  2. Hallo Anonym aus SW... "..Dramaturgie der Einträge..."? Bist du auch so jemand der bei Activity immer verliert? Na hoffentlich sind die Filme besser!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich bin einfach ein Klugscheißer...quasi ne Schwester im Geiste...und schnell beleidigt bin ich auch...

      Löschen